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National orientierte EU- und Euro-Kritiker weiterhin auf dem Vormarsch

Nachbetrachtungen zu den Wahlen in den Niederlanden im Hinblick auf das europäische Wahljahr 2017

Der Oekonom 23.03.2017 0 Teilen

(Bildquelle: matchka / pixelio.de)

Das nicht einmal ansatzweise kaschierte Amusement der linkslastigen Medien-Schickeria ist groß. Die Erleichterung angeblicher Europäer wie Merkel und ihrem gleichsamunförmigen Außenminister Gabriel ist geradezu greifbar. „Europa ist gerettet!“, so wollen es uns die führenden Politdarsteller glauben machen. Aber es wird nicht weiterhin gelingen, den intellektuell wie politisch untauglichen Versuch zu unternehmen, Europa weiterhin in der öffentlichen Diskussion allen Ernstes mit der EU oder gar – noch mehr von offensichtlicher geistiger Umnachtung geprägt – mit dem Euro gleichzusetzen. Dafür ist die Krise der beiden Fehlkonstruktionen EU und Euro zu weit vorangeschritten und zu offensichtlich.

Wilders gestoppt! Jetzt wird alles gut – oder: Vom zittrigen Pfeifen im Walde

Gewiss. Manche Patrioten haben sich eine deutlichere Zunahme des Wähleranteils von Gerd Wilders PVV gewünscht. Beim Duell mit dem farblosen amtierden Ministerpräsidenten der rechtsliberalen VVD zog er am Ende deutlich den Kürzeren – und hatte doch lange Zeit wie ein Damoklesschwert über einer gänzlich desolaten EU geschwebt, die einen Vormarsch der Populisten mehr fürchtet als der Teufel das Weihwasser. Ein EU-Gegner als Repräsentant der stärksten politischen Kraft der Niederlande wäre ein miserabler Start für die verunsicherten Eurokraten in Brüssel und Straßburg in dieses wichtige Wahljahr gewesen – umgekehrt wäre es natürlich für alle Ethnokraten ein fulminantes erstes Schlaglicht, ja geradezu ein Fanal für die Abwicklung des durch und durch unsinnigen EU-Konstrukts gewesen. Aber es kam anders.

 

Islamophopie und Schwulenkult: Kein Erfolgskonzept

Gewiss. Ein Charismatiker, dem die Herzen der Menschen zufliegen, war er noch nie, der Vorsitzende der faktischen Ein-Mann-Partei PVV Gert Wilders. Aber seine schrillen Aussagen insbesondere zum Problem des islamischen Fundamentalismus schienen der Weg zum politischen Erfolg. Allerdings parierte der biedere VVD-Spitzenmann Rutte geschickt die politischen Attacken von Wilders mit durchaus beachtenswerter Konsequenz gegenüber dem mitunter gänzlich anmaßenden zukünftigen „Führer“ der Türkei namens Erdogan. Insofern ist eine politische Ausrichtung wie die der PVV durchaus besonders anfällig für politische Stimmungsschwankungen, wenn die außenpolitische Situation sich selbst für die als besonders liberal geltenden Niederländer so zuspitzt, wie sich dies jüngst begab, und konsequent den Attacken vom Bosporus Paroli geboten wird.  Damit wird auch bereits die offene Flanke der Niederlande im Allgemeinen wie die von Wilders im Besonderen deutlich. Man hat viel zu lange tatenlos zugesehen, wie islamische Extremisten Parallelgesellschaften aufbauen. Man hat aus falsch verstandener Liberalität keinerlei Assimilationsdruck auf die Fremden ganz allgemein ausgeübt. Die Altlasten der Kolonialzeit und damit die ohnehin drohende völlige rassische und volkliche Zersetzung durch Surinam-Connection und Co. taten ihr Übriges. Und nun hat man, was man zugelassen hat: Die Saat einer permissiven, angeblich offenen, in Wahrheit aber identitätlosen Gesellschaft geht nun auf. Kriminalität, Drogenexzesse und krankhafter Schwulenkult auf der einen Seite. Militante islamische Gemeinden mit Gewaltexzessen gegen Minderheiten einer dekadenten Gesellschaft, die nur von medial präsenten Gutmenschen gehätschelt, von vitalen religiösen Gemeinschaften aber verachtet werden, auf der anderen Seite. Und dann will ein Schmalspur-Donald-Trump Marke Wilders allen Ernstes „den Islam“ verbieten. Man müsste eigentlich darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Solange die Völker Europas nicht ihre eigene Vitalität wiedergewinnen und sich ihrer selbst besinnen, sondern weiterhin den süßen materialistischen Verlockungen und dem eitlen Geschwätz von den angeblichen Vorzügen westlicher Werte erliegen, gibt es für islamkritische populistische Gruppen nur Achtungserfolge, aber nicht die reale Möglichkeit, unter normalen Umständen die Gesellschaft gänzlich umzukrempeln. Und das ist nötiger denn ja. Es sei denn die Krise käme – am ‘Besten’ die ganz große!

 

Die große Krise wird kommen – nur wann?

Es bedarf keinerlei prophetischer Gabe, um eine kommende Krise vorherzusagen, denn die Ökonomie hat als konstitutives Element den steten Zyklus von Weiterentwicklung, Stagnation, Krise sowie Anpassung, von der letztere wieder in einen neuen Zyklus übergeht. Die Frage ist nur, wann kommt die Krise und welches Ausmaß hat sie. In Anbetracht der Globalisierung, der stetig zunehmenden Vernetzung der internationalen Finanzmärkte sowie eines exzessiven Schuldgeldsystems in einer wahrhaft endzeitlichen Phase des Kapitalismus spricht vieles dafür, dass  die nächste Krise – wenn sie denn ausbricht – so katastrophal sein wird, dass die Weltfinanzkrise 2007ff dagegen nur ein laues Lüftchen sein wird. Griechische Verhältnisse in mehrfacher Verschärfung allenthalben könnten die Folge sein. Denn das System Euro ist am Ende. Die USA sind exzessiv privat und in China die Staatskonzerne ebenso gigantisch überschuldet. Die Weltfinanzarchitektur ist allenthalben auf Kante gesetzt. Insofern war es aus Sicht des Verfassers ein eklatanter Fehler von Wilders Wahlkampfstrategie, keine klaren wirtschaftspolitischen Konzepte gehabt zu haben. Die „Nexit“-Idee von Wilders war und ist ökonomischer Nonsens in Reinkultur. Die Aushärtung des Euro durch Ausschluss der südeuropäischen Schuldenstaaten als erster Schritt.  Bei Nichtgelingen dieses Vorhabens die Rückkehr zu nationalen Währungen und die Rückentwicklung des Euro zu einer reinen Verrechnungseinheit als zweiter Schritt wäre eine realistische Position mit Alleinstellungsmerkmal gewesen. Stattdessen der Fokus auf antiislamische Agitation. Ist man so aufgestellt, kommt man nicht über die Stufe einer Protestbewegung hinaus.

 

Durch einen massenpsycholgioschen Umkehrschluss in der Krise zu einem neuen Europa

Wichtig wird für alle EU- und Euro-kritischen Kräfte sein, dass ein in sich geschlossenes, überzeugendes Gesamtkonzept als inhaltliche Fundamentalopposition präsentiert wird. Ein vernünftiges, konsistentes und durchdachtes Programm für ein neues Europa, das gänzlich alternativ zum bisherigen System aufgestellt ist. Denn wenn die Krise kommt, wird das enttäuschte Staatsvolk des jeweiligen europäischen Landes im Rahmen eines massenpsychologischen Umkehrschlusses sich denen zuwenden, die bisher am härtesten von den dann gescheiterten Kräften des Niedergangs bekämpft wurden und welche seit jeher einen gänzlich alternativen Politikansatz vertreten haben.



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