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Die politische Realität differiert eklatant von bundesrepublikanischem Wunschdenken

Antisemitismus ist ein politisches Strategem

Dr. Edward 07.06.2021 Teilen

Antisemitismus ist ein politisches Strategem des Islamismus (Photo by Latrach Med Jamil on unsplash)

Um dem allgegenwärtigen bundesrepublikanischen Reflex der Schnappatmung bei der Thematisierung von Antisemitismus vorzubeugen: Nachfolgender Beitrag ist in Anlehnung an den ganzseitigen Artikel von Professor Robert Hepp verfasst, der vor etlichen Jahren unter dem provokativen Titel: “Gewalt ist ein Mittel der Politik”, einen auch heute noch lesenswerten Aufsatz in der Jungen Freiheit veröffentlichte. Natürlich sollte Gewalt aus dem Ethos des Humanismus betrachtet heraus kein Mittel der Politik sein. Die Realtität sah und sieht freilich anders aus. So auch beim Antisemitismus.

Geschichtlicher Rückblick ins zweite Deutsche Reich

Was aus Sicht eines Deutschen mit der Gnade der späten Geburt unglaublich erscheint, war im Zweiten Deutschen Reich, also zu ‘Kaisers Zeiten’ Usus: Der offene Antisemitismus war parteipolitisch im Reichstag vertreten. Antisemitische Klischees waren im Kaiserreich Gemeingut, die antisemtische Literatur und Publizistik lief insbesondere von Beginn der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts an auf Hochtouren. Kaum verwunderlich, dass sich mit der “Antisemitischen Volkspartei” – später unter “Deutsche Reformpartei” firmierend – und der “Deutschsozialen Partei” gleich mehrere, wenngleich mit wenigen Mandaten ausgestattete Parteien im Reichstag tummelten, die den Antisemitismus ganz offen auf ihre politischen Fahnen geschrieben hatten. Obwohl es im zweiten Deutschen Reich so etwas wie einen antisemitischen Grundkonsens gab – zynisch gesagt: eine “Antisemitismuskultur”, blieb den monothematisch agierenden antisemitischen Parteien der große politische Erfolg versagt. Auf ihrem Höhepunkt gelang es den parteipolitischen Antisemiten gerade einmal, etwas mehr als 3% der Wähler auf sich zu vereinen. Zersplitterung und Radikalisierung des parteipolitischen Antisemitismus im Kaiserreich erinnern an die völlige Erfolglosigkeit rechter Parteien in der Bundesrepublik Deutschland seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts.

Paradigmenwechsel nach dem Holocaust in der Bundesrepublik

Die Geschehnisse zu Kriegsende und das allmähliche Bekanntwerden des Völkermordes an den europäischen Juden führte dazu, dass es bis auf einige wirre politische Splittergruppen keinen offenen Antisemitismus mehr in der Bundesrepublik Deutschland gab. Bei parteipolitischer Verankerung des Antisemitismus hätte über jeder Formation das Damoklesschwert eines Verbots geschwebt. Publizistisch und literarisch gab es keinerlei Erfolge für antisemitische Schriften. Zu tief hatte sich die Schuld gegenüber den europäischen Juden in die Identität breiter bundesrepublikanischer Bevölkerungsschichten eingegraben. Neben strafrechtlichen Sanktionen war vor allem die gesellschaftliche Ächtung aller antisemitischen Strategeme dafür verantwortlich, dass es keine nennenswerten offen antisemitschen Verlautbarungen in der Bundesrepublik Deutschland gab.

Verschwunden sind antisemitische Klischees und Feindbilder aus dem Weltbild vieler Bundesbürger freilich nicht. Parteipolitisch trat an die Stelle des offenen Antisemitismus seine verhohlene, manchmal sogar seine populistische Variante. Soziologen haben für dieses Phänomen den Begriff sekundärer Antisemitismus geprägt. Wie kein Zweiter vermochte diese in breiten Bevölkerungsschichten bis heute vorhandenen Vorurteile der große Franz Schönhuber in den späten 80er Jahren in ein populistisches Gewand zu kleiden. Unvergessen sind seine Bonmonts gegenüber dem damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis. Vor einem bierseligen Publikum sagte der damalige Vorsitzende der rechtsgerichteten Partei DIE REPUBIKANER im besten Festzelt-Entertainerstil an den Zentralratsvorsitzenden gewandt: “Ich muss Herrn Bubis nicht mögen müssen.”. Großer Applaus eines sich auf die Schenkel klopfenden Publikums konnte ihm gewiss sein. Etwas grober wurde der ‘Schönhuber-Franz’ als er dem Zentralrat der Juden in Deutschland vorwarf, die “fünfte Besatzungsmacht” in Deutschland neben den Deutschland im Würgefriff haltenden alliierten Siegermächten zu sein. Publizistisch sah sich insbesondere die politische Rechte genötigt, antisemitische Pseudoangriffe mit bloßen Andeutungen wie “Ostküste”, “Hintergrundkräfte” und Ähnlichem zu starten, um Vorurteile gegen die Judenheit im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen weiterhin zu bedienen.

Anti-Antisemitismus: Paradigmenwechsel bei rechtspopulistischen Parteien

Mit Zunahme der Einwanderung aus muslimischen Ländern hat spätestens zur Jahrtausendwende generell ein Paradigmenwechsel bei der europäischen Rechten eingesetzt. Als politisches Strategem wurde nun die Islamisierungskritik als das neue große Thema entdeckt, das Anschlussfähigkeit bis weit in die bürgerliche Mitte möglich machte. Mit der Kritik an der fortschreitenden Islamisierung einher ging und geht für die ‘Euro-Rechte’ eine enge Affinität zu Israel und deren ‘Abwehrkampf’ bzw. Identitätsbewahrung in Palästina. Geert Wilders machte in den Niederlanden den Anfang, letzten Endes fahren heute alle rechtspopulistischen Parteien einen sehr israelfreundlichen Kurs. An die Stelle des Antisemitismus des 19. Jahrhunderts ist nun ein Anti-Antisemitismus getreten, der mitunter als sehr aufgesetzter und künstlicher Philosemitismus daherkommt, wie es der oben erwähnte Franz Schönhuber dereinst so treffend sagte. Bei Lichte betrachtet ist die vielbeschworere Freundschaft mit Israel nichts anderes als eine hohle Phrase: Freundschaft setzt zwingend eine Begegnung auf gleicher Ebene, auf Augenhöhe voraus. Wer im bundesrepublikanischen Bücklingsmodus in ständigem vorauseilenden Gehorsam unterwegs ist, kann nicht ernsthaft von Freundschaft mit Israel reden. Vielmehr liegt die Perpetuierung und Institutionalisierung eines kollektiven schlechten Gewissens vor, dabei gibt es mehr als 75 Jahre nach Kriegsende überhaupt keine ‘Täter’ mehr.

Antisemitismus als ideales Strategem für islamistische Organisationen

Noch weit weniger als ‘das’ Christentum gibt es wohl ‘den’ Islam. Rivalitäten und Anfeindungen unter den unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen sind an der Tagesordnung. Sunniten und Shiiten und Co. schlagen sich mehr denn je die Köpfe ein, wenn es um eigene Machtansprüche der jeweiligen Glaubensrichtung geht. Um so mehr wird der Antisemitismus für eine alles andere als monolithisch aufgestellte Umma zum idealen Strategem. Um endlich die 36 Strategeme des großen chinesischen Generals Tan Daoji (verstorben 436 n. Chr.) bzw. des bereits wohl bereits um 500 vor Christus entstandenen legendären Werks von Sunzi: “Die Kunst des Krieges”, zu bemühen: Bei Ersterem heißt es in seinem Strategem 23:”Sich mit einem fernen Feind verbünden, um Nachbarn anzugreifen.”, bei Letzterem wohl übertragen: Bringe alle unter eine Fahne und mobilisiere sie gegen den gemeinsamen Feind! Fast noch prägnanter dürfte die aus dem Arabischen stammende Fassung des Strategems des ‘Zusammen gegen den Einen’ sein: “Der Feind meines Feindes ist mein Freund.”.

Wer die islamistischen Demonstrationen vom zweiten Mai-Wohendende 2021 ohne die bundesrepublikanische Antisemitismushysterie beobachtet hat, konnte erkennen: Es gab die Einpeitscher vor Ort, im Vorfeld wurden in den alternativen Medien seit Jahren Zwietracht und Vorurteile gesät und nun mit den letzten Endes unvermeidlichen Exzessen in Palästina der Hass geerntet. Um ein Bild zu bemühen: Israel ist im arabischen Raum in der Rolle eines meinetwegen sogar auch koscheren Fleischbällchens im Piranhabecken. Der Widerstand der zionistischen Juden vor Ort verdient großen Respekt, mitunter sogar Bewunderung. Allerdings dürfte dem Zionismus in Palästina ein ähnliches Schicksal beschieden sein wie unserem Europa: Wir werden von schnell wachsenden kulturfremden Bevölkerungsgruppen ‘überzeugt’ im eigentlichen Wortsinne, denn wer nicht genügend eigene Nachkommen sein Eigen nennen darf, wird ‘überzeugt’, das heißt: wird Minderheit im eigenen Land. Deutschland und Europa werden offensichtlich von afrikanischen und asiatischen Einwanderermassen überfremdet; man darf gespannt sein, ob es Israel als Rückzugsort der weltweiten Judenheit gelingt, nach 4000 Jahren aktiver Kulturgeschichte weiter zu überleben. Der Antisemitismus wird das Strategem der islamistischen Kräfte gegen das ‘koschere Fleischbällchen’ Israel im Piranhabecken sein. Bundesrepublikanische Solidaritätbekundungen mit Israel bringen in diesem Zusammenhang einen Scheißdreck. Israel hat längst die Zeichen der Zeit erkannt, während Deutschland und Europa sich noch um das dritte Geschlecht, Diversität und naturwidrigen sexuellen Orientierungen Gedanken machen. ‘Europäische Dekadenz, jüdische Wehrhaftigkeit’ – auf diesen dramatischen Gegensatz lässt sich die Verfasstheit der bedrohten Kulturkreise Europa und Israel verdichten.

Zusammenfassung

In Deutschland wie vielen anderen europäischen Völkern gab und gibt es eine antisemtische Tradition und Gegenwart. Ab Ausgang des 19. Jahrhunderts bis 1945 ging es in Sachen Antisemitismus in beiden deutschen Reichen – zynisch gesagt – kompromisslos zur Sache – mit den bekannten Exzessen des Nationalsozialismus. Mit Gründung der Bundesrepublik war der Antisemitismus als Strategem linker, aber vor allem rechter Kräfte des politischen Spektrums kaum zielführend anwendbar, seit der Jahrtausendwende fährt die auf Antiislamisierung setzende populistische Rechte sogar auf einen Kurs in Richtung Anti-Antisemitismus. Einzige nennenswerte politische Kraft, welche den Antisemitismus als Strategem nutzen kann, um die eigenen Reihen zu schließen, ist das Lager der islamischen Fundamentalisten. Insofern ist es ein veritabler bundesrepublikanischer Treppenwitz, dass alle antisemitischen Straftaten, bei denen keine Täter ermittelt werden konnten, statistisch unter “rechtsextremen” Straftaten subsumiert werden. Wer so handelt, schürt eine Hysterie gegen “Rechts” und befeuert weiterhin einen antifaschistischen Reflex mitsamt seiner medialen Umerziehungsindustrie, der jeder Grundlage in ‘diesem unserem Lande’ entbehrt.

 





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