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CSU-Minister bramiert sich am 4. Januar im abendlichen "heute journal"

Dobrindt und seine „konservative Revolution der Bürger“

Der Oekonom 10.01.2018 0 Teilen

Peinlich, peinlich, Herr Dobrindt (Bildquelle: Jerzy / pixelio.de)

Jeder blamiert sich, so gut er kann

Es gibt Schwätzer, Dummschwätzer und CSU-Provinzpolitiker wie Alexander Dobrindt. Von Format keine Rede. Franz-Josef würde sich im Grabe rumdrehen, müsste er Adepten vom Schlage Dobrindts reden hören. Da ist selbst die Bezeichnung Westentaschen-Strauß immer noch mehrere Nummern zu groß. Immer hübsch mit den Wirtschaftswölfen heulen, sich in irgendwelchen Karossen auf Automobilmessen medienwirksam ablichten lassen, wohlfeile, weil nicht durchdachte Vorschläge zur Pkw-Maut machen – ja, das kennt man bereits vom Dobrindts Alexander.

Seine gänzliche intellektuelle Inkompetenz stellte er aber erst vor kurzem gegenüber der nicht gerade als geistige Überfliegerin bekannten Marietta Slomka im „heute journal“ unter Beweis. „Da hat der CSU-Schmalspurpolitiker wohl über Weihnachten etwas in einem Buch gelesen, das er geschenkt bekommen hat!“, so kommt es einem zumindest vor, wenn man den CSU-Möchtegern-Strategen an diesem Abend so reden – oder besser: stammeln –  hört. Des Abends am 04. Jänner schwafelt also der brave Christsoziale doch tatsächlich etwas von einer „konservativen Revolution der Bürger“, welche „auf die linke Revolution der Eliten“ folgen solle. Da nicht nur das ignorante Anlehnen an eine große geistige Strömung nach dem Ersten Weltkrieg bieder wirkt, sondern auch das Gestammel Dobrindts auf durchaus gescheite Fragen von ‚Marietta der Großen‘  mehr als peinlich ist, wird die Moderatorin im links-grün-liberal-versifften Medienkartell nun geradezu gefeiert. Dobrindt sei gar „geslomkat“ worden, titelt das „Handelsblatt“ in seiner Online-Ausgabe am Tag darauf.

Die „Konservative Revolution“ im Sinne Armin Mohlers: eine wichtige zeitgeschichtliche Epoche des 20. Jahrhunderts

Was uns als Rechte und Konservative mehr interessieren muss als das allgemeine Amüsement der mehrheitlich deutlich links der CSU stehenden Medienschaffenden ist die Tatsache, dass der vom großen Armin Mohler geprägte Begriff der „konservative Revolution“ nicht einmal ansatzweise thematisiert wurde. Nach heutiger Lesart gelten die Vertreter dieser geistigen Strömung nach den Wirren des Ersten Weltkrieges als Wegbereiter des Nationalsozialismus. Und wem dieser antifaschistische Anknüpfungspunkt doch zu weit hergeholt ist, der kann immer noch darauf verweisen, dass die Neue Rechte heutzutage ebenfalls auf Ideologiemuster der konservativen Revolution zurückgreift – letztere beiden Positionen zur Beurteilung der geistigen Strömung im ersten Nachkriegsdeutschland sind übrigens nahezu eins zu eins Wikipedia entnommen.

Was aber war ganz kurz die „Konservative Revolution“ im Sinne Armin Mohlers? Der Begriff ist mannigfaltig und wurde literarisch seit dem 19. Jahrhundert in den unterschiedlichen Kulturkreisen ganz anders verwendet und gedeutet als dies der große konservative Denker Deutscher Zunge aber Schweizer Nationalität in seinem 1950 erstmals erschienen Werk „Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932“ tat. Man kann die von Mohler so gefasste geistige Strömung als eine Bewegung ansehen, welche die demokratisch-parlamentarischen Wirren Weimars begleitet von kommunistischen Umtrieben und kulturell überbaut vom exzentrischen Liberalismus der angeblich „Goldenen Zwanziger Jahre“ ablehnten. So sehr die Vertreter der konservativen Revolution die Ablehnung der „Novemberrepublik“ einte, so unterschiedlich waren die Auffassungen, wie ein neues, besseres Deutschland auszusehen habe. Insofern könnte man den politischen Mikrokosmos als ähnlich facettenreich ansehen, wie die heutigen Auffassungen der Rechten und Konservativen insgesamt oder innerhalb der AfD.

Von den  Vertretern der „Konservativen Revolution“ lernen, heißt siegen lernen

Was bleibt von der Konservativen Revolution sind unzählige Schriften und Bücher mit großer geistiger Tiefe, bei deren Beschäftigung man sehr schnell von der einseitigen Orientierung an das parlamentarisch-demokratische Eiapopeia abrückt und sich grundsätzlichen Fragen des Zustandekommens politischer Entscheidungen und deren Güte zuwendet. „Demokratie ist Anteilnahme des Volkes an seinem Schicksal“ oder „Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt“, festgemacht an einem namhaften Vertreter der Konservativen Revolution, nämlich Arthur Möller van den Bruck, sollen nur zwei kleine Denkanstöße sein, sich mehr mit den großen Denkern im ersten Nachkriegsdeutschland zu befassen.



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